Kurze Geschichte der Naturheilkunde bzw. der abendländischen Medizin Teil 2


Dagegen gelangten viele Schriften über Alexandreia in den Besitz der Araber. Diese entwickelten besonders die Chirurgie und Augenheilkunde weiter. Seit dem 10.Jht. hatten Ärzte ein Examen abzulegen. Diese Ärzte arbeiteten in Krankenhäusern, dessen Anzahl ständig wuchs. Ar Razi (865-925) fasste in seinem Werk "al-Hawi" jüdisches, persisches, indisches und arabisches Wissen zusammen und die lateinische Übersetzung des "Kanon der Medizin" von Ibn Sina wurde im 15. Jht. ein Standardwerk in Europa (siehe die Ausführungen zu den indischen und arabischer Kulturkreis).

Durch die Kolonialisierung des amerikanischen Kontinentes durch spanische und portugiesische Eroberer und die damit verbundene Missionarisierung hat viel von den Hochkulturen der neuen Welt vernichtet. Die meisten Schriften der Mayas wurden 1562 durch den Bischof von Yucatán, Diego de Landa, verbrannt. Dennoch haben einige Priester, einheimische und gelehrte Mönche der Franziskaner und Dominikaner später versucht, das Wissen der Urvölker zu dokumentieren. Dabei ist viel von Sitten und Gebräuchen sowie auch das medizinische Wissen eingebracht worden. Der königliche Leibarzt Dr. Francisco Hermandez schrieb eine 25-bändige Enzyklopädie der Natur der Neuen Welt. In dieser sind 1628 auch zehn Bände über die Pflanzen und teilweise mit den Hinweise der medizinischen Verwendung erschienen. Durch den direkten Handel sind viele Pflanzen nach Europa gelangt und sind zur Anwendung gekommen. Wichtig ist aber, das diese im Sinne der europäischen Medizin verordnet worden.

Mit der Renaissance in Europa begann erneut eine Umwälzung in der Medizin, die auf der Grundlage der Antikerezeption beruht. Mit der weiteren Entwicklung der Wissenschaft und die Entdeckung von Gesetzmäßigkeiten in der Natur sowie der Überwindung der extensiven Nutzung von Schröpfen und Aderlass führten zur heutigen Medizin. Eingeleitet wurde sie aber von den Urvätern der alternativen Medizin. Samuel Hahnemann (1821-1897) leitete sie mit der Schrift zur Homoöpathie ein. Auch Nichtmediziner beteiligten sich an der Entwicklung, so gilt der Bauer Vincenz Prießnitz (1799-1851) als Vater der feuchtkalten Wickel, der Fuhrmann Johannes Schroth (1798-1856) führte das Fasten in die Behandlung ein, Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) die Wasserkuren, und und und. All diese Entwicklungen finden sich in abgewandelter Form in den alten Schriften, ob Antike oder in der Klostermedizin, wieder. Einige Ansätze oder Variationen, bewusst oder unbewusst, sind in allen Kulturkreisen nachweisbar. Eine Richtung muss und soll hier genannt werden, die anthroposophische Medizin von Rudolf Steiner (1861-1925). Sie gehört neben der Homoöpathie und der Phytotherapie zu den besonderen Therapierichtungen des Arzneimittelgesetzes. Sie basiert auf den vier "Seinsebenen" - Physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib und die Ich-Organisation. Dies Medizin ist in ihrer Ausrichtung auch mit spezifischen Philosphischen Elementen verwoben.

Mitte des 19. Jahrhundert legten dann Rudolf Virchows (1821-1902) , Robert Koch (1843-1910) und weitere die Grundlagen für die heutige moderne Medizin. In diesem Ursprung und Spannungsfeld liegt auch die Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Naturmediziner. Mit den heutigen technischen Mittel sind medizinische Leistungen möglich, die neue Ansätze finden lassen, die damals nicht denkbar waren. Die Macht der Chemie bringt heute Drogen hervor, die synthetisch auf der Basis von extrahierten Pflanzenwirkstoffen gewonnen werden, die jedoch in einigen Fällen extreme Nebenwirkungen haben und weit über die Wirkung der traditionellen Phytopharmaka hinausgehen.

1880 brachten H. Milbrot und F.Fischer in der Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Medizinrichtungen den Begriff "Schulmedizin" als eher abwertende Bezeichnung ein, wobei der Begriff "Alternativmedizin" erst ca. 1980 durch die Ökologiebewegung auf einem alternativen Gesundheitstag seine Geburtsstunde fand. Ein Zitat soll die Situation treffend wiedergeben: "Von Hydrotherapie versteht der Arzt, wenn er die Universität verlässt, so gut wie nichts. Er perkutiert und auskultiert mit großer Sicherheit, er unterscheidet mit bewaffneten Auge mindestens ein Dutzend Bakterien und kennt sich in der chemischen Küche vortrefflich aus, .... Leider widerfährt dem einen oder anderem bald ein ärgerliches Missgeschick. Beschämt sieht er einen unappropierten Wasserdoktor eine glückliche Kur verrichten, die ihm nicht gelungen ist:" (1897 - Arzt Adolf Kussmaul)

Dies war jetzt Geschichte im Schnelldurchlauf. Betrachtet man die Linie wird man schnell feststellen, das die chinesische Medizin nicht auftaucht. Selbst die Sendereihe "Heilwissen versunkener Kulturen - Im Bann der grünen Götter" im ZdF geht auf diesem Kulturkreis nicht ein. Diese Linie wird bei dem geschichtlichen Abschnitt der tierischen Mittel noch einmal aufgegriffen.

Die ersten umfangreichen Überlieferungen stammen meist von Militärärzten, deshalb sind wundheilende Prozesse sehr gut dokumentiert, jedoch gibt es kaum Hinweise zu den nichtparasitären Hautkrankheiten.

 
 

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